Landesverband der Kunstschulen und FDP-Fraktion führen Gespräch in der Jugendkunstschule Stuttgart

Jugendkunstschule

Sozusagen im Nachgang zur 26. Kunstschultagung in Fellbach hat die Vorsitzende des Landesverbands der Jugendkunstschulen Baden-Württemberg Monika Fahrenkamp Vertreter der FDP/DVP Landtagsfraktion zu einem allgemeinen Austausch über die Arbeit der Kunstschulen in Baden-Württemberg und die „Fellbacher Erklärung“ vom November 2015 eingeladen. In der Stuttgarter Jugendkunstschule trafen sich Monika Fahrenkamp sowie die Leiterin der Jugendkunstschule Stuttgart, Ursula Thiele-Zoll, und Sabine Brandes, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Kunstschulen, mit dem FDP- Landtagsabgeordneten Professor Dr. Ulrich Goll, Waiblingen, dem FDP-Landtagskandidaten Dr. Jan Havlik, Stuttgart, dem Parlamentarischen Berater der FDP-Landtagsfraktion Harald Paulsen und Sabine Wilfert von der FDP Fellbach.

Die Jugendkunstschule Stuttgart sei landesweit die erste Einrichtung dieser Art gewesen und kann somit als die „Quelle“ der Jugendkunstschulen in Baden-Württemberg überhaupt bezeichnet werden, so Ursula Thiele-Zoll. In den Räumen des Württembergischen Kunstvereins habe man vor 44 Jahren mit diesem heute außerordentlich erfolgreichen, ursprünglich nur auf ein halbes Jahr angelegten, Projekt gestartet. Inzwischen ist man sehr zufrieden in den hellen und großen Räumen unter dem Dach des Tagblatt-Turm Areals, die sehr gute Arbeitsbedingungen ermöglichen. Die Mehrheit der Jugendkunstschulen verfügt über wunderbare Räumlichkeiten, die als außerschulische Lernorte mit Ateliercharakter als Alleinstellungsmerkmal sicherlich wegweisend sind. Die meisten Kunstschulen befinden sich in kommunaler Trägerschaft. Ihre Finanzierung erfolgt zu 42% durch die Kommunen, 42% sind Elternbeiträge, 5% vom Land Baden-Württemberg und 11% aus Stiftungen und Fonds, erläuterte Monika Fahrenkamp.

Zentrales Thema des Gesprächs war die Zukunft der Jugendkunstschulen als wichtiger außerschulischer Lernort gerade vor dem Hintergrund des Ganztagesschulausbaus. Da die Kinder immer mehr in die Schule eingebunden würden und so nachmittags seltener außerschulische Angebote wahrnehmen könnten, bedeutet dies für die Jugendkunstschulen eine Herausforderung. Da die Kunstschulen allerdings schon seit Jahren mit Schulen aller Schulformen kooperieren, verfügen sie über wichtiges Kooperationswissen. Schwierigkeiten bereitet dabei oftmals die räumliche Distanz und auch die Bezahlung der Kunstschul-Lehrkräfte, die in solchen Schulkooperationen tätig sind. Monika Fahrenkamp betonte in diesem Zusammenhang, welche große Rolle die Raumerfahrung bei der Ausübung der Kunst für die Kinder spiele. Ulrich Goll, dessen Vater und Großvater Kunstmaler waren, sprach sich sehr entschieden für eine Wahlfreiheit bei der Frage aus, ob ihre Kinder eine Ganztagsschule besuchen sollen. „Ganztag oder nicht muss freie Entscheidung der Eltern bleiben. Der Staat darf nicht auch noch dort eingreifen, wo Familien die unterrichtsfreien Nachmittage in eigener Verantwortung gestalten wollen.“ Harald Paulsen merkte hierzu an, dass die FDP-Landtagsfraktion dafür eintrete, auch die offene Ganztagsschule mit Unterricht am Vormittag und freiwilligen Angeboten am Nachmittag ins Schulgesetz aufzunehmen. Jan Havlik fügte hinzu, Kinder müssten ein Recht auf unbeschulte Zeit haben. Die Muße sei eine entscheidende Voraussetzung für künstlerisches Schaffen, so Thiele-Zoll.

Sabine Brandes stellte weitere Tätigkeitsfelder der Kunstschulen vor. „Auch mit Flüchtlingen laufen Projekte wie zum Beispiel das Gestalten der Wände in ihren Unterkünften, aber auch Sprachförderung durch künstlerische Projekte“, so die Verbandsgeschäftsführerin. Des Weiteren arbeiteten die Jugendkunstschulen mit straffälligen Jugendlichen und spielen mit ihnen Theater, was sehr zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitrage. Jan Havlik fragte nach Angeboten für Senioren sowie nach der Arbeit mit Pflegebedürftigen und Demenzkranken. Monika Fahrenkamp bekräftigte, dass die Kunstschulen in diesen Bereichen gerne sehr viel mehr unternehmen würden. „Künstlerische Tätigkeiten stärken das Selbstbewusstsein sowie die Phantasie, außerdem wirken sie sich äußerst positiv auf kognitive Leistungen aus“, so die Verbandsvorsitzende.

In der „Fellbacher Erklärung“ haben die Jugendkunstschulen folgende Forderungen aufgestellt, darunter 1. Absicherung der Arbeit der bestehenden Kunstschulen in Baden-Württemberg. 2. Ausbau der Arbeit durch Impulsförderung der Kunstschulinitiativen zur flächendeckenden Versorgung mit Kunstschulen in Baden-Württemberg. 3. Gleichwertigkeit und Ausgewogenheit von Kunst, Sport und Musik an Schulen bei der Wahl außerschulischer Bildungspartner. Ulrich Goll sicherte die Unterstützung der FDP für die Anliegen der Kunstschulen zu. Als vordringlich erachte er Planungssicherheit für die weitere Arbeit der Kunstschulen und förderliche Rahmenbedingungen für die Schulkooperationen.

Auf dem Bild von links nach rechts: Dr. Jan Havlik, Ursula Thiele-Zoll, Monika Fahrenkamp, Prof. Dr. Ulrich Goll MdL, Sabine Brandes, Harald Paulsen

Wer mehr über die Jugendkunstschulen erfahren möchte: www.jugendkunstschulen.de

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