Berroth: Sport ist grundlegendes Schulfach – Ausbildung verbessern

Foyer liberal im Landtag – Experten appellieren -Kampf gegen Doping verstärken – Die sportpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der FDP/DVP-Landtagsfraktion, Heiderose Berroth, hat sich im „foyer liberal“ dafür ausgesprochen, gene-rell bei der Lehrerausbildung den Aspekt „Freude an der Bewegung“ und „Hinführung zu sportlicher Betätigung“ stärker zu gewichten. Für Sportlehrer müsse gleichzeitig die Thematik „systematisches Hinführen zu Leistung“ und „Anstrengung lohnt sich“ eine Rolle spielen.

Auf der Diskussionsveranstaltung der FDP/DVP-Fraktion im Landtag zum Thema „Sport – ein Spiegel der Gesellschaft“ waren sich alle Teilnehmer darüber einig, „dass Deutschland nur eine große Sportnation bleibe, wenn der Schulsport verbessert werde“. So sagte der ehemalige Bundesaußenminister Dr. Klaus Kinkel, dass der Breitensport im-mer noch die Grundlage für sportliche Spitzenleistungen bilde. Kinkel: „Wenn ich mich aber bei meinen fünf Enkeln nach ihren Sportstunden erkundige, kann ich nur darüber lachen.“ Die Ansprüche, die im Schulsport gestellt würden, seien in den letzten Jahren zurückgegangen – das habe mit der fatalen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun, dass zu viele Kinder und Jugendliche zu viel Zeit vor dem Computer verbringen. „Die 70-Jährigen joggen, die Jungen hocken“, brachte es Kinkel als Mitglied des Hochschulrats der Deutschen Sporthochschule Köln auf den Punkt. Die Gymnasiastin und international erfolgreiche Triathletin Hanna Philippin sprach von der Schwierigkeit, Kinder zum längeren Betreiben einer Sportart zu bewegen. Die Jugendlichen hätten immer weniger Zeit für Leistungssport. „Ich selbst gehe auf ein Sportinternat, sonst könnte ich Ausbildung und Triathlon auf europäischem Niveau nicht unter einen Hut bringen“, so Philippin.Der Vorsitzende der FDP/DVP-Fraktion Dr. Ulrich Noll, sagte, eine gewisse Leistungsbereitschaft sei im Sport wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen die Voraussetzung sich durchzusetzen. „Vor Erfolgen kommt die Anstrengung“, so Noll. Ein Spiegel der Gesellschaft sei es auch, wenn im Sport versucht werde, sich unrechtmäßig Vorteile zu verschaffen, beispielsweise durch Doping. Es sei traurig, wenn durch das Fehlverhalten einiger, eine ganze Sportart in Verruf komme.FIFA-Schiedsrichterin Christine Beck sagte, dass sie mit Doping nichts zu tun habe. „Das würde mir bei der Leitung eines Fußballspiels auch nichts nützen“. Prof. Dr. Helmut Digel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Tübingen und Council-Mitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, hält den Kampf gegen Doping im Profisport für fast schon gescheitert. Die Gesellschaft habe zu lange auf die Sportgerichte der Verbände gesetzt, „damit diese das Problem selbst lösen, aber es wurde nicht einmal an der Wurzel gepackt“. Digel sprach von einer Unterstützungs-Mafia, die rund um das Doping ein professionelles Betrugssystem mit funktionierenden Netzwerken aufgebaut habe. Digel sieht zwei Wege, Doping im Spitzensport in den Griff zu bekommen: Erstens müsse der Gesetzgeber Doping-Betrug zum Straftatbestand erklären, und zweitens müsse den Athleten in ihrem Bildungsweg außer Sport eine weitere berufliche Perspektive aufgezeigt werden. So seien gerade die Athleten besonders gefährdet, die nichts als ihren Sport haben und mangels Alternativen bis ins fortgeschrittene Alter an ihrer Karriere festhalten. Hans-M. Holczer, ehemaliger Chef des Radsport-Teams Gerolsteiner, sprach sich für eine konsequente Überwachung der Profisportler aus, um kurzfristige Blut- oder Urinproben zu ermöglichen. „Für Pressetermine und öffentlichkeitswirksame Aktionen mit den Sponsoren stehen die Profis ja auch bereit, weil es ihrer Popularität nutzt, deshalb sollten sie sich auch der Nationalen und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Nada und Wada) zur Verfügung stellen“, sagte Holczer. Er sagte ein immer stärkeres Glaubwürdigkeitsproblem des kommerzialisierten Spitzensports in den nächsten Jahren voraus, „weil noch vieles aufgedeckt wird“. In einem Einführungsreferat gab Dr. med habil. Dr. jur. Heiko Striegel, stellv. Ärztlicher Direktor an der Uni Tübingen, einen Überblick über die gesellschaftlichen Aspekte des Sports. So wie es im Sport eine Kultur mit Normen und Werten samt Ehrenkodex gebe, so habe sich auf der anderen Seite eine Subkultur entwickelt, die sich abschotte und netzwerkartige Strukturen bis zum Betrug und Doping organisiere.

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