Bosch und Siedle als Beispiele für Ethik im wirtschaftlichen Handeln

Fraktions-Forum mit Hans-Ulrich Rülke und Beate Fauser zu „Wirtschaft und Ethik“ – Trotz einer Arbeitslosigkeit von unter vier Prozent, einem beeindruckenden Wirtschaftswachstum, hervorragenden Exportgeschäften der deutschen Unternehmen scheinen immer mehr Menschen der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr zu trauen. Hinzu kommen bei VW, Siemens oder Telekom Fehlentwicklungen, die bei wegfallenden Arbeitsplätzen dazu führen, dass vor allem Großunternehmen zunehmend in Misskredit gerieten.

Diese Ausführungen des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke, setzten den Rahmen für das „foyer liberal“, das im Landtag dieses Mal unter dem Titel „Wirtschaft und Ethik“ stand. Moderiert wurde das Diskussionsforum von Wolfgang Molitor, dem stellvertretenden Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten. Beate Fauser, die mittelstandspolitische Sprecherin der FDP/DVP-Landtagsfraktion, zitierte in ihrer Begrüßung der Gäste Robert Bosch, der im Jahr 1921 festgestellt habe, dass „eine anständige Art der Geschäftsführung auf die Dauer das Einträglichste ist und die Geschäftswelt eine solche höher einschätzt, als man glauben sollte“.Dass wirtschaftliches Handeln und Ethik bei der rasanten Globalisierung der Märkte nach Meinung vieler Bürger nicht zusammenpassen, diese These hält Dr. Wolfgang Malchow, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor des Welt-Unternehmens Bosch, für falsch. Gerade Bosch, der schwäbische Riese, bringe mit anderen deutschen Weltmarktunternehmen soziale Standards und wachsenden Wohlstand in Länder wie Tschechien oder Litauen, die in früheren Jahren aufgrund des „eisernen Vorhangs von der Marktwirtschaft abgeschnitten waren“. Malchow nimmt wahr, dass sich in Ländern wie China eine tiefer werdende Kluft zwi-schen Arm und Reich auftut – „gleichzeitig stellen wir fest, dass viele unserer Mitarbeiter in China früher zu fünft in einem Zimmer aufwuchsen und heute eine Eigentumswohnung besitzen“. Vom ethischen Standpunkt aus betrachtet verhalte sich Bosch einwandfrei, weil in Deutschland nicht abgebaut, sondern zusätzliche 20.000 Arbeitsplätze aufgebaut wurden. Gabriele Siedle, Mitglied der Geschäftsführung der S. Siedle & Söhne Telefon- und Telegra-fenwerk oHG in Furtwangen, kritisierte das Verhalten von Managern, die bei hohen eigenen Gehältern Mitarbeiter entlassen, im sicheren Wissen, dass die Älteren keinen Arbeitsplatz mehr finden werden. Dies sei kein ethisches Handeln und für die Geschäftsführung von Siedle in Furtwangen, „wo wir uns sozial engagieren und offen in der Stadt leben“, unvorstellbar. Zur Frage von Moderator Wolfgang Molitor, ob kleinere Unternehmen „auf der ethisch sicheren Seite sind, weil sich bei ihnen Ethik rechnet“, sagte Gabriele Siedle: „Es kommt nicht auf die Größe an – Wirtschaft wird von Menschen gestaltet, und wenn sich alle Menschen an die Anstandsgebote hielten, bräuchten wir diese Diskussion nicht zu führen.“ Das Unternehmen Siedle, habe sich schon vor 50 Jahren Leitlinien gegeben, auf die auch alle zukünftigen Manager verpflichtet werden. Falk Schöller, Pfarrer und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Bad Boll, sagte, dass in einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft Ethik implizit sei, denn hier gebe es fairen Wettbewerb „und kostengünstige Produkte, die sich die Menschen kaufen können“. Wenn es trotzdem zu Ungleichheiten komme, „muss es zu einem Ausgleich für die Armen kommen“. Es dürfe keinen Bereich geben, „der ohne Verantwortung für sich, den anderen gegenüber und vor Gott ist“. Dass sich Unternehmen in der dritten Welt niederließen, könne von Ethik geprägt sein, wenn sie soziale und ökologische Standards einhielten. So verarbeite Siemens in Indien kein Asbest, weil dies in Deutschland verboten sei. Mit Dr. Sebastian Wolf, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland, war sich Schöller einig, dass Transparenz die „fundamentale Voraussetzung für das Funktionieren von Ethik ist“. Wolf sah auch Zeichen der Hoffnung am Horizont, als er aus dem Feld der Korruption von „gewissen Inseln“ berichtete, wo unter dem Dach der OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) zwischen den Projektbeteiligten ein Nicht-Bestechungsübereinkommen ausgearbeitet wurde. Auch beim Bau des Berliner Flughafens hätten sich Auftraggeber und Firmen im Zusammenwirken mit der Stadt Berlin und Transparency International Deutschland auf einen Integritätspakt geeinigt.Hans Ilg, Pressesprecher

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