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Bullinger: Mit reiner Technik-Schwärmerei ist die Digitalisierung der Landwirtschaft nicht zu meistern

Friedrich Bullinger

FDP fordert mehr Agrarinvestitionsförderung, Datensicherheit und harte Ordnungspolitik

Bei einer Landtagsdebatte über digitale Technologien in der Landwirtschaft sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP/DVP-Fraktion, Dr. Friedrich Bullinger: „Selbstredend sind die Möglichkeiten des Smart Farmings faszinierend ­– von präzisen RTK-Spurführungssystemen über den Einsatz von Drohnen beim Pflanzenschutz im Weinberg bis hin zur Echtzeitüberwachung der Gesundheits- und Milchleistungsdaten einzelner Tiere im Kuhstall – was ich aber von Grün-Schwarz heute völlig vermisst habe, sind die großen politischen Fragen zum Thema,“ sagte Bullinger. Dies betreffe beispielsweise die mangelhafte Infrastruktur. „Selbst die innovativste Smartphone-App bringt dem Landwirt nichts, wenn er bei seiner Fahrt über den Acker drei Mal in ein Funkloch gerät. Die Online-Antragstellung über das System FIONA entlastet eben weder Betriebe noch Landwirtschaftsämter, wenn 23 Prozent der Haushalte in Baden-Württemberg nicht einmal über einen 50 Mbit/s-Anschluss verfügen. Und ohne die Bereitstellung brauchbarer Geofach- und Geobasisdaten kommt auch die digitale Präzisionslandwirtschaft nicht weiter“, beklagt Bullinger und forderte mehr Anstrengungen seitens der Landesregierung: „Nehmen Sie sich ein Beispiel daran, was Minister Wissing in Rheinland-Pfalz diesbezüglich schon alles 2016 auf den Weg gebracht hat!“

Weitere politische Fragen seien die Auswirkungen der Digitalisierung auf den landwirtschaftlichen Strukturwandel, nötige Anpassungen der beruflichen Bildung, Probleme der allgemeinen Datensicherheit und des individuellen Datenschutzes, ordnungspolitische Fragen mit Blick auf den künftigen Wettbewerb auf dem Markt für Landmaschinen und Agrartechnik und vor allem die noch immer mangelhafte Netzanbindung der ländlichen Räume.

Bullinger forderte, die neuen Technologien gezielt im Sinne der Landwirte und im Sinne eines schonenden Umgangs mit natürlichen Ressourcen zu nutzen. „Der Landwirt muss Herr seiner Daten bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass ihm die Daten die Arbeit leichter machen, und gleichzeitig verhindern, dass sie zu einer verschärften Überwachung führen.“ Bullinger verwies mit Blick auf die Datensicherheit auf einen Bericht des FBI aus dem vorigen Jahr. „Wenn die Landwirtschaft in Zukunft künftig flächendeckend mit zentralen Daten-Clouds arbeitet, wird die Ernährungssicherheit im Rahmen der Cyber-Kriegsführung auch zur möglichen Zielscheibe von DDoS-Attacken. Das ist in Zeiten, in denen bestimmte Großmächte über das Internet möglicherweise schon Wahlen beeinflussen, kein Science Fiction mehr, sondern eine konkrete Gefahr, auf welche die Politik Antworten bieten muss.“

Auch ordnungspolitisch sei die Digitalisierung der Landwirtschaft bei all den Chancen, die sie den Betrieben ermögliche, eine Herausforderung. Neben den steigenden Entwicklungskosten für Agrartechnik könne auch exklusive Software dazu führen, dass kleinere Anbieter von Landmaschinen und Agrartechnik aus dem Markt gedrängt würden. „Die Politik muss jetzt sehr stark auf standardisierte Daten-Formate und offene Schnittstellen achten, damit wir keine Monopolisierungstendenzen erleben“, sagte Bullinger. Als zentrale Forderung in der Landespolitik nannte Bullinger eine bessere Agrarinvestitionsförderung: „Wenn wir den kleinen Betrieben nicht unter die Arme greifen, wird das Smart Farming den Strukturwandel anheizen. Für den Großbetrieb mit 200 Kühen rechnet sich teure Autmatisierungstechnik im Stall natürlich viel schneller als für den kleinen Schwarzwaldbauern.“ Bei der Präzisionstechnik für die Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sei die Förderung von Projekten der Maschinenringe zum überbetrieblichen Einsatz ein möglicher Weg, sagte Bullinger. Der Freistaat Bayern sei hier viel besser aufgestellt als Baden-Württemberg.

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Mitteilung Nr. 33/10/2017

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