Rülke und Bachmann: Abwanderung der Hochqualifizierten stoppen

Brain Drain – brain gain: Was tun, um kluge Köpfe im Land zu halten und ins Land zu holen? – „Der Rohstoff unseres Landes Baden-Württemberg liegt in den Köpfen der vielen hochqualifizierten Menschen, die wir dringend brauchen, um im internationalen Wettbewerb um Wirtschaftswachstum und Wohlstand bestehen zu können.“ Dies sagte der Vorsitzende der FDP/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke, anlässlich des Diskussionsforums „Foyer liberal“ im Stuttgarter Landtag. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, „Was tun, um kluge Köpfe im Land zu halten und ins Land zu holen?“.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende zitierte eine Studie des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen, wonach pro Jahr rund 2200 Hochqualifizierte Baden-Württemberg verlassen, um im Ausland eine Arbeitsstelle anzutreten. Wenn es inzwischen auch positive Anzeichen für eine mögliche Trendwende gebe, „müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um den negativen Saldo ins Positive zu kehren“, sagte Rülke. Der hochschulpolitische Sprecher der FDP/DVP-Fraktion, Dietmar Bachmann, hatte alarmierende Zahlen parat: So sind im Jahr 2008 rund 3000 Ärzte aus Deutschland ausgewandert, 19.000 praktizieren bereits im Ausland. „Jeder dieser Auswanderer kostet die Bundesrepublik 430.000 Euro – das ist der Saldo zwischen den Kosten seiner Ausbildung und seinem Beitrag zu unserem Bruttoinlandsprodukt. Wir büßten also allein im Jahr 2008 eine Summe in Höhe von 1,3 Milliarden Euro ein“, so Bachmann. Baden-Württemberg verliere Jahr für Jahr 0,4 Prozent seiner Hochqualifizierten. Eine Hauptursache für die dauerhafte Abwanderung sehe der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration darin, dass jungen Akademikern um durchschnittlich 20 Prozent höhere Bruttogehälter im Ausland winkten. „Hinzu kommt die besonders große Schere zwischen Brutto und Netto in Deutschland“, so Bachmann. „Hier müssen wir dringend unsere Hausaufgaben machen.“Im Gegensatz dazu sind nach Deutschland im Jahr 2007 nur rund 150 hochqualifizierte Akademiker zugewandert. Eine Ursache sieht Bachmann im Zuwanderungsgesetz mit seiner „absurd hohen Einkommensgrenze von 64.800 Euro pro Jahr. Wer zahlt das schon für Berufsanfänger?“. Weiter müsste nach Möglichkeiten gesucht werden, ausländische Studierende im Land zu halten. Zwar könnten diese nach dem Studium ein weiteres Jahr bleiben, um sich einen Arbeitsplatz zu suchen – „aber die Perspektiven für ein langfristiges Bleiben fehlen“, konstatierte der hochschulpolitische Sprecher. Und: „Im Übrigen konkurrieren wir nicht mit Bremen oder Brandenburg, wir wollen uns mit den besten Unis der Welt messen.“Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Frankenberg nutzt nach seinen Worten immer die Gelegenheit, deutsche Studenten über die Motive ihres Auslandsstudiums zu befragen. „Ein Leitmotiv, das ich immer wieder höre, ist die bessere Planbarkeit des Karriereweges.“ In Deutschland sei das System mit seinen langen Zeitabschnitten nicht so flexibel – „die Karrierewege bei uns sind zu starr“, so Frankenberg, der allerdings klar zwischen Baden-Württemberg und Deutschland unterschied: „Ich mache mir mehr Sorgen um die Bundesrepublik als um Baden-Württemberg, dessen Hochschulsystem in punkto Selbstständigkeit führend ist.“ Frankenberg war sich mit dem Direktor des Max-Plank-Instituts für Metallforschung, Prof. Dr. Rühle, darüber einig, dass vor allem das „fehlende angelsächsische Umfeld“ in Baden-Württemberg der Grund sei, warum nicht mehr ausländische Studenten an den hiesigen Unis studierten oder Wissenschaftler forschten. Er schlug ein intensiveres Marketing im Ausland vor, damit Hochqualifizierte nicht in die USA, sondern nach Baden-Württemberg gingen. Dr. Annette Schmidtmann, verantwortlich für die Nachwuchsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sieht einen „Stimmungswandel“. Das Deutschlandbild verbessere sich dank der Exzellenz-Initiativen an den Universitäten. Viele Deutsche, die im Ausland studiert hätten, „wollen zurück zur europäischen Kultur, zurück zur Familie und ihre Kinder die guten deutschen Schulen besuchen lassen.“ Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Liebig, Rektor der Universität Hohenheim, sprach sich im Sinne der Weiterentwicklung der Wissenschaft für einen weltweiten Austausch der Experten aus. Es sei für ihn nicht erschreckend, dass sie ins Aus-land gehen. „Die unterschiedlichen Charaktere der Wissenschaftler können sich so geistig gegenseitig befruchten, und dann kann es nach vorne gehen.“ Für Baden-Württemberg sieht Liebig eine gute Entwicklung. Es sei gelungen, die Differenzierung zwischen den Hochschulen voranzutreiben und beispielsweise mit dem MIT in Karlsruhe eine Hochschule internationalen Ranges zu gründen. „So können wir die besten Wissenschaftler abgreifen“, so Liebig.

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Mitteilung Nr. 514

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